Alle Artikel in: Vorträge Stamer

Täuschen und Betrügen – Philosophische Demokratiekritik

  Vortrag am 10. November, Universität Bamberg Dr. Gerhard Stamer Meine Damen und Herren, ich möchte heute nur drei Thesen aufstellen, mehr habe ich nicht vor. Sie werden sehen, das ist schon fast zu viel. Dabei werde ich auf die vielen anschaulichen Beispiele des Verführens, Täuschens und Betrügens gar nicht eingehen, die in den Medien zu hören, zu sehen und zu lesen sind. Dazu reicht die Zeit nicht. Ich gehe also von einem gut informierten Publikum aus, was das Tages­geschehen betrifft. Mein Thema ist ja auch die philosophische Demokratiekritik. Im Verlaufe der Beschäftigung mit dem Thema Demokratie – nicht erst seit ich diesen Vortrag vorbereite, sondern schon viel länger – haben sich bei mir Bedenken und Zweifel an der Demokratie herausgebildet. Ich habe den Eindruck gewonnen, als handle es sich um einen Begriff vollkommener Unschärfe bei gleichzeitiger Hochkonjunktur im Gebrauch und unantastbarem moralischem Gewicht, dass es geradezu verboten ist, ihn überhaupt kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die Thesen, die ich Ihnen vortragen möchte, sind aus diesen Bedenken und Zweifeln erwachsen. Sie mögen Ihnen zunächst …

Schillers „ästhetische Erziehung“ – Gedanken zum Realitätsgehalt der Ästhetik

  Vortrag auf der internationalen Tagung Bildungsphilosophie vom 3. bis 5. April 2014 in Eichstätt Dr. Gerhard Stamer Theodor W. Adorno leitete sein Seminar über die Ästhetik im Mai 1968 unmissverständlich mit dem Bezug auf die Vorgänge ein, die sich auf den Straßen direkt vor der Universität in Frankfurt/Main abspielten. Angesichts der gegenwärtigen Aktualität  des politischen Interesses der Studentenschaft stelle sich die Frage nach der Legitimation eines philosophischen Seminars über die Hegelsche Ästhetik und allgemeiner nach der Beziehung von Politik und Ästhetik. Mit diesen Worten begann Adorno. Die Intention von Adorno schien es zu sein,  in der Entfaltung der Gedanken Hegels den prinzipiellen historischen Gehalt des Ästhetischen  darzustellen, um von dort aus über sein eigenes gegenwärtiges Verständnis des Ästhetischen zu einer Klärung der eigenen politischen Position zu gelangen.  Adorno schien die Absicht zu haben, seine Negative Dialektik unter ästhetischen Aspekten wie einen Ring in die sich erhitzende studentische Öffentlichkeit zu werfen, um möglicherweise sogar die Ästhetik als Alternative zu einer Politik des Klassenkampfes, die er für abwegig hielt, wenn nicht gar als Perpetuierung des totalitären …

Die paradoxe Identität von Politik und Moral bei Karl Marx

Vortrag Dr. Gerhard Stamer Bamberg Hegelwochen 12. Mai 2011 Meine Damen und Herren, In diesem Vortrag geht es mir nur um eine These, mehr nicht. Ich möchte Ihnen darstellen, wie es gekommen ist, daß eine Theorie, deren innerster Impuls Moral und Humanität ist, im Verlaufe der Praktizierung, die sich auf diese Theorie berief, in das Gegenteil, in Inhumanität und Barbarei hat umschlagen können. Ich möchte Ihnen dies darstellen und zugleich, daß der Grund für diese Perversion weitgehend darin bestand, daß die Moral in die Politik aufgehoben wurde.

Immanuel Kant

Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe:Fertig werden mit … ohne Abschied zu nehmen. Annäherung an ein Verständnis der Gegenwart. 23. Januar 2008, Hannover Gerhard Stamer Guten Abend, ich beginne heute mit einer Vortragsreihe, die den Titel trägt, „Fertig werden mit … ohne Abschied zu nehmen“. Es geht um Annäherungen an ein Verständnis der Gegenwart. Die Geschichte entwickelt sich weiter, auch die Erfahrungen, auch das Verhältnis zu den Theorien. Am Anfang mag man von der einen oder anderen absolut überzeugt sein, vor allem, wenn man sich lange mit einer befasst. Mit der Zeit aber entsteht doch eine Distanz, das Verhältnis kühlt sich ab.