Monate: April 2007

Reflexionen Bd. 3: „Habermas – oder das Elend der Verfahrensrationalität“

Dr. Gerhard Stamer, LIT-Verlag, Münster 2007 (ISBN 978-3-8258-0243-1)

Dieser Band zeigt die kontraproduktiven Folgen eines Denkens – wie das von Jürgen Habermas – auf, das die substanziellen Gehalte der traditionellen Kultur durch Negation der Metaphysik bewahren möchte.

Reflexionen 3Die Veröffentlichungen von Jürgen Habermas sind als Kritik des Zeitgeistes selbst Zeitgeist. Die in ihnen geäußerten prägnanten Positionen bieten darum eine geeignete Möglichkeit, ein sich bewußt modern verstehendes Denken zum Gegenstand zu machen. Das hier vorliegende Buch hat die Zielsetzung, in plastischer Argumentation die Grenzen der theoretischen Konzeption von Habermas aufzuzeigen, um dabei zugleich eine eigene zu umreißen. Der inhaltiche Schwerpunkt der gesamten Arbeit besteht darin, die reduktionistischen Konsequenzen einer Philosophie sichtbar zu machen, die sich programmatisch der Metaphysik verweigert. Eine dieser Konsequenzen ist das Scheitern des Versuchs, Denken und Bewußtsein in der Dimension der Sprache abzuhandeln., eine weitere, die Aussagenlosigkeit und Begründungsschwäche einer voluminös ausgebreiteten Philosophie, die sich keine Inhalte mehr zutraut. Selbst die innere Konsistenz der systematischen Konzeption ist fragwürdig, denn der klaffende Widerspruch zwischen einer Konstituierung der Gesellschaft durch bewußte sprachlich-symbolische Sinngebung einerseits und der Lebenswelt andererseits, die transzendental aller Bewußtseinstätigkeit vorangehen soll, ist nicht zu übersehen.

In der Auseinandersetzung mit den Grundzügen des Denkens von Habermas nehmen die alternativ skizzierten und in dem Sinne positiven Inhalte dieser Arbeit Gestalt an. Der größte Raum wird dabei der Explikation der logischen Existenziale gewidmet. Sie sind die Elemente, aus denen die Eigenständigkeit der Dimension von Bewußtsein und Denken hervorgeht. In diesem Kontext gewinnt — fernab von jeder Überschwänglichkeit — die Einheit von Geist und Natur in einem Ganzheitskonzept, das sich dem Denken der metaphysischen Tradition verbunden weiß, ihre Plausibilität. Das bewußte Erleben wird im Kontrast zu den Sätzen naturwissenschaftlicher Objektivität als die primäre, ursprüngliche Realität des Menschen ausgewiesen, woraus eine aktive Deutung des Menschen abzuleiten ist.

Die Form der Arbeit ist für das Genre von ungewöhnlicher Lebendigkeit. Sie wird durch eine Darstellung erreicht, die grundsätzlich den Charakter des Dialogs hat und durch Briefe, Gespräche im Kreis von Freunden, Vorträgen, theoretischen Ausarbeitungen, auch Notizen, im besten Sinne des Wortes ein kommunikatives Handeln vor Augen führt.

„Dilthey und die Hermeneutik“

3. Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe „Die Theorie der Erkenntnis“ 18. Juni 2007, Leibnizhaus  Hannover Gerhard Stamer Guten Abend, in der Reihe Theorie der Erkenntnis spreche ich heute über Dilthey und die Hermeneutik. Das ist der dritte Vortrag in der Reihe. Zunächst möchte ich den Kontext des heutigen Vortrags und damit zugleich auch der gesamten Reihe überblickshaft skizzieren. Die Vortragsreihe steht in Zusammenhang mit dem von Bundesministerin Frau Schavan ausgerufenen Jahr der Geisteswissenschaften. Die Reihe zielt darauf ab, die Produktivität und Lebendigkeit der Geisteswissenschaften vor Augen zu führen. Dabei möchte ich sogleich am Anfang eine nicht unwichtige Anmerkung machen. Die Philosophie lässt sich nach meiner Auffassung nicht den Geisteswissenschaften einordnen. Sie war ohne Frage durch ihre gesamte Geschichte die wissenschaftliche Disziplin, die sich dem Phänomen Geist am intensivsten zugewandt hat. Vielleicht lässt sich sogar sagen, dass der Geist das zentrale Thema der Philosophie seit  ihren Anfängen war. Der Begriff des Logos, des Nous, der Idee stammen aus diesen antiken griechischen Anfängen. Aber dennoch  ist die Philosophie nicht einfach eine Geisteswissenschaft, denn die Philosophie ist auch …