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Hannah Arendt Die Freiheit, frei zu sein

Dr. Gerhard Stamer wird den Text kurz vorstellen und zur Diskussion aufbereiten.
Kulturzentrum Faust, Linden-Nord, Der Nachbarin Café
Di 3. April 2018, 19:00 Uhr, Eintritt: € 5,-
Der Essay Die Freiheit, frei zu sein stammt aus dem Jahre 1967 und ist gerade erstmals veröffentlicht worden. Hannah Arendt war zu der Zeit Professorin in den Vereinigten Staaten. Der Titel dieses Essays ist zunächst verwirrend, meint man ja, dass Freiheit darin besteht, frei zu sein. Es scheint sich um eine tautologische Verdoppelung zu handeln. An diesem Abend kommt es mir darauf, den tieferen Sinn des Titels herauszuarbeiten, denn es gibt ihn. Der Sinn enthüllt sich in der Analyse und Reflexion, die Hannah Arendt auf die Revolutionen der Neuzeit anstellt. Eine immer noch hochaktuelle Studie, auch wenn gegenwärtig nichts nach Revolution aussieht.

Wenn der Atheist Gott sagt

Wer eine personale Beziehung zu Gott für möglich hält, vielleicht sogar erlebt, in der Andacht, beim Gebet, wird die philosophische Betrachtung als kalt empfinden. Aber sie ist alles andere als atheistisch.
Wenn der Atheist Gott sagt, hat er schon viel zu viel gesagt. Er beweist damit, das denken zu können, woran ein Gläubiger glaubt, nämlich Gott. Gott ist der Ausdruck für eine Potenz, auf die der Anfang der Welt zurückgeführt wird und die strukturierend in dem Ganzen der Welt wirkt. Beides ist rational nicht abzuweisen, weder der Gedanke, dass die Welt einen Anfang hat, noch die Ansicht, dass sie einen Zusammenhang bildet, der über eine unvorstellbare Zeit Bestand hat. Die Ablehnung einer speziellen Religion macht den Atheismus zu keiner logisch zwingenden Position. Der Mangel an Bewunderung für Natur und Kosmos ist keine Auszeichnung.

Die Idee der Gerechtigkeit

Die Idee der Gerechtigkeit.

Die Gerechtigkeit ist ein einziges Dilemma. Gerechtigkeit ist die Idee der Gleichheit. Aber es gibt keine Gleichheit. Alle Individuen sind verschieden. Gleichheit wäre die Negation der Individualität.
Wäre also paradoxerweise die Ungleichheit die Gerechtigkeit? Das kann nicht sein, denn dann gäbe es kein menschliches Gemeinwesen. Ein Gemeinwesen besteht in dem, was den Einzelnen gemein, also gleich ist. Wo ist der Ausgang aus dem Dilemma? Welche Grenze hat die Gleichheit? Worin bin ich gleich mit anderen? Worin ungleich? Wo darf ich´s sein? Was ist gerecht?
Darüber diskutieren wir am kommenden Donnerstag, 22.2., wie immer FZH Lister Turm, Walderseestraße 100, 19:00 -21:00 Uhr, € 8,-
Leitung: Dr. Gerhard Stamer

Programm Januar bis März 2018

 

Martin Heidegger und die Gelassenheit des Denkens
Leitung: Dr. Rüdiger H. Rimpler
5 x Dienstag: 16.1./30.1./13.2./27.2./13.3.
19:00 -21:00 Uhr
FZH Lister Turm, Walderseestraße 100
€ 75,-
„Der heutige Mensch ist auf der Flucht vor dem Denken. Diese Gedankenflucht ist der Grund für die Gedankenlosig-keit. Zu dieser Flucht vor dem Denken gehört es aber, dass der Mensch sie weder sehen noch eingestehen will.“.
Mit Gedanken wie diesen wirkte Martin Heidegger prägend auf Denkerinnen und Denker wie z.B. Hannah Arendt, Jean-Paul Sartre oder Michel Foucault. Seine biographischen Verstrickungen in der NS-Zeit machen Heidegger jedoch auch zu einem der umstritten-sten Philosophen des 20. Jahrhunderts.
In diesem Seminar werden wir uns daher kritisch mit Heideggers Denken und Biographie auseinandersetzen, um einerseits seinen philosophischen Ansatz besser zu verstehen und andererseits dar-aus Rückschlüsse für unsere eigene Gegenwart zu ziehen. Grundla-ge dafür ist die Lektüre eines Vortrages von 1955 mit dem Titel „Gelassenheit“, darin Heidegger seine Kultur- und Technikkritik deut-lich macht.
Lektüretext: Gelassenheit. Heideggers Meßkircher Rede von 1955, Verlag Karl Alber, 2014 (ISBN: 978-3-495-48670-2)

Kant, Kritik der Urteilskraft
Leitung: Dr. Gerhard Stamer
9 x Mittwoch: 17.1./24.1./31.1./7.2./14.2./21.2./28.2./7.3./14.3.;
10:00 -12:00 Uhr
FZH Lister Turm, Walderseestraße 100
€ 135,-
In diesem Seminar werden wir uns mit Kants Naturbegriff ausein-andersetzen:
Was ist Natur? Wie ist das Verhältnis des Menschen zur Natur? Warum geht die Natur in Naturwissenschaft nicht auf? Welche Rol-le spielt die Freiheit in Bezug auf die Natur? Inwiefern kann man von einer Naturordnung sprechen?

Was sind Ideen?
Leitung: Dr. Gerhard Stamer
8 x Donnerstag: 18.1./25.1./8.2./15.2./22.2./1.3./8.3./15.3.;
19:00 -21:00 Uhr
FZH Lister Turm, Walderseestraße 100
pro Abend: € 10,-
Anhand von 8 Ideen wollen wir ergründen, was Ideen sind. Jeden Abend nehmen wir uns eine vor:
Wahrheit / Freiheit / Leben / Liebe / Gerechtigkeit / Gott / Existenz / Welt
Jeden Abend eine Idee in angegebener Folge
Dazu werfen wir einige Frage auf wie:
•    Woher kommen Ideen?
•    Welche Gültigkeit haben Ideen?
•    Welche Rolle spielen sie in der Geschichte?
•    Geht es ohne Ideen?
•    Wie werden sie in der Philosophie definiert?
Nach einführendem Kurzreferat wird die Diskussion eröffnet.

 

Club  der lebenden Denker
Kulturzentrum Faust, Linden-Nord, Der Nachbarin Café
Dienstag, dem 6.3.2018 um 19 Uhr, Eintritt: € 5,-
Die Zukunft des Menschen im digitalen Zeitalter bei Y. N. Harari
Einführung Dr. Rüdiger Rimpler
In seiner Rede „Will the future be human“ auf dem WEF 2018 warnte Y.N. Harari vor einer künftigen „Digitalen Diktatur“, die nicht nur über das Leben der Menschen, sondern über alles Leben auf diesem Planeten einmal bestimmen könnte. Als Korrektiv gegen den gegenwärtigen Trend zur Monopolisierung von Big Data und den beliebigen Umgang insbesondere mit biometrischen Daten, sieht er eine Regulierung der Eigentumsrechte an den eigenen Daten. Die Debatte dürfe jedoch nicht allein der Politik überlassen werden, da diese oft „nostalgische Vorstellungen“ von der Zukunft hätten, welche sie den Menschen einfacher verkaufen könnten als die sozusagen harte Wahrheit.
Meine These: Die von Harari aufgezeigte Problematik hat eine philosophisch wie kulturgeschichtliche Dimension, die allein durch eine Diskussion über die Regulierung der Eigentumsrechte an digitalen und insbesondere biometrischen Daten nicht zu lösen ist.

Mit einem Verweis auf Heideggers Gedanken zur Gedankenlosigkeit unserer Zeit, möchte ich abschließend darlegen, warum einerseits gerade Meditation eine geeignete Form von Besinnung sein könnte, die neben konkreten gesellschaftspolitischen Überlegungen als Korrektiv gegen die von Harari aufgezeigten Tendenzen dienen kann. Andererseits möchte ich zumindest andeuten, inwiefern der von Heidegger und Adorno gleichermaßen unternommene Versuch, die Subjekt-Objekt Spaltung zu unterlaufen es de facto zu einer Auflösung der neuzeitlichen Subjektivität und Individualität kommen könnte. Damit wäre das gesamte Projekt der Aufklärung hinfällig. Aber wäre es dies nicht ohnehin, wenn es Hararis Erwartung gemäß zur Entwicklung einer völlig neuen Menschenart käme?

 

Programm September – Dezember 2017

Hegel, Phänomenologie des Geistes
Leitung: Dr. Gerhard Stamer
12 x Mittwoch: 20.9./27.9/4.10./25.10./1.11./8.11./15.11./22.11./29.11./6.12./13.12./20.12.; 10:00 -12:00 Uhr
FZH Lister Turm, Walderseestraße 100
€ 180,-
In diesem Seminar werden wir uns mit drei Aspekten dieses Werks befassen:
1. Mit Hegels Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution wie sie exemplarisch in den   Kapiteln „Der Kampf der Aufklärung mit dem Aberglauben“ und  „Die absolute Freiheit und der Schrecken“ dargestellt wird.
2. Mit dem letzten Kapitel, der Vollendung der Schrift:“Das absolute Wissen.“
3. Werden wir uns einen Gesamtüberblick über das Werk verschaffen, d.h. über die Logik des stufenweisen Aufbaus, wie sie sich über Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft, Geist und Religion bis zum absoluten Geist entfaltet.

10 Versuche, die Philosophie auf den Kopf zu stellen
 – kurzer Vortrag, lange Diskussion –
Leitung: Dr. Gerhard Stamer
10 x Donnerstag: 19:00-21:00 Uhr
FZH Lister Turm, Walderseestr. 100
Eintritt: € 5.-
21.9.: Warum Darwins Evolutionstheorie richtig ist und sie die Welt doch nicht erklären kann.
28.9.: Warum Marx’ Kritik am Kapitalismus richtig ist, aber seine Alternative nicht.
5.10.: Warum Naturgesetze nicht zu sehen sind, aber trotzdem gelten.
19.10.: Warum die Hirnforschung nützlich ist, aber das Bewusstsein nicht erklären kann.
2.11.: Warum Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, aber nicht die wahre Wirklichkeit aufdeckt.
9.11.: Warum nicht sicher ist, was in Zukunft geschieht und man trotzdem das Gute tun soll.
16.11.: Warum wir alle sterben müssen und doch etwas Unendliches an uns haben.
23.11.:Warum Heideggers Nähe zum Faschismus nicht zu leugnen ist und seine Philosophie trotzdem gelesen werden sollte.
30.11.: Warum alles relativ ist und es dennoch das Absolute, das Bleibende im Wandel gibt.
7.12.: Warum die Inhalte der Religion nicht bewiesen werden können und sie dennoch Wirklichkeit besitzt.

Club  der lebenden Denker
Kulturzentrum Faust, Linden-Nord, Der Nachbarin Café
19:00 Uhr, Eintritt: € 5,-
5. September 2017
Referent:  Karl-Ludwig Baader
Carl Schmitt, der Ideologe antidemokratischer Revolution
Nach dem  steilen Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in den vergangenen Jahren geraten nun auch ihre intellektuellen Stichwortgeber stärker in den Blick. Ans Licht einer breiteren Öffentlichkeit kommt hier ein Netzwerk von Instituten, Vereinigungen, Zeitschriften und Verlage. Hier werden altbekannte Ideologeme (mehr oder weniger) neu formuliert, die an die antidemokratischen, antiparlamentarischen, antiliberalen und antiuniversalistischen Thesen der sog. Konservativen Revolution der dreißiger Jahre anschließen. Ihr bedeutendster und wirkungsmächtigster Vertreter war der Staatsrechtler Carl Schmitt (1888 – 1985). Über seine „Unterscheidung von Freund und Feind“ als Bestimmungsgrund des Politischen und die Folgen für eine parlamentarische Demokratie bundesdeutschen Zuschnitts soll es an diesem Abend gehen.
(Die folgenden Clubabende finden jeweils am ersten Dienstag im Monat statt: am 7.11. und am 5.12. Die Referenten und Themen werden rechtzeitig bekannt gegeben.)

Rätselcharakter, Kommentar, Kritik: Kunstwerk und ästhetische Reflexion bei Adorno
Vortrag und Diskussion mit Dr. Eberhard Ortland
19. 9. 2017; 19:00 Uhr
FZH Lister Turm, Walderseestr. 100
Eintritt: € 5.-
Adornos Ästhetische Theorie geht davon aus, dass „alle Kunstwerke, und Kunst insgesamt Rätsel“ sind. Was nicht nachhaltig befremdlich erscheint, ist keine Kunst. Ein Rätsel besteht aus Figuren, die die Vermutung nähren, sie bedeuteten etwas – man weiß nur nicht, was. Als Rätsel verlangen die Kunstwerke nach Interpretation. Sie sind kommentarbedürftig und zur Entfaltung dessen, worum es ihnen geht, angewiesen auf die kritische Auseinandersetzung, Aufmerksamkeit, Verstand und konstruktive Phantasie derjenigen, die das Rätsel erkennen.