Stiftung Philosophie zur Zeit

»Die Philosophie hat es mit dem Gegenwärtigen, Wirklichen zu tun.«
Hegel

Der Ruf nach Bildung ist in der Öffentlichkeit unüberhörbar. Die geforderte Innovation in allen gesellschaftlichen Bereichen – von den Schulen bis in die Verwaltungen, die Unternehmen und die Politik – hängt in entscheidender Weise von dem Grad der Bildung ab, über den Menschen verfügen. Bildung verleiht Durchblick, Übersicht, Entscheidungsfähigkeit und Selbstbewußtsein. Eine solche Qualifikation – für den Beruf und das eigene Leben – kann nicht allein durch fachspezifische Ausbildung erworben werden. Es ist der ganze Mensch, der an seiner besonderen Stelle seine Kompetenz zu erweisen hat. Deshalb verlangt Bildung die des ganzen Menschen, der Persönlichkeit nämlich, die das Erreichte in Händen hält und das Neue wagt, die die eigene Sache vorantreibt, aber den gesellschaftlichen Nutzen nicht aus den Augen verliert, die Kritik nicht un-terdrückt, sondern für die Lösung von Problemen nutzt, die Verantwortung trägt, ohne den Schwung und die Freude am Leben zu verlieren, die sich die Probleme unserer modernen Lebenswelt bewußt macht und sie als Ansporn zu eigener Aktivität begreift.
Eine solche Bildung, die auf den ganzen Menschen zielt, bietet nur die Philosophie; allerdings eine Philosophie, die sich nicht in den Elfenbeinturm zurückzieht, sondern realisiert, daß sie mit ihrem Sokratischen Anfang etwas für den Marktplatz war und daß das größte Werk von Platon „Der Staat“ hieß.
Die Philosophie zu verlebendigen und zu einem urbanen Zentrum zu machen – und umgekehrt, für die verschiedensten gesellschaftlichen Interessen und Bedürfnisse die Philosophie in Anspruch zu nehmen, dazu ist jetzt die Initiative ergriffen worden: die Gründung der „Stiftung Philosophie zur Zeit“.
Der Stiftungszweck ist grundsätzlich die Förderung der Philosophie in der Öffentlichkeit als kulturelle Innovation. Die Philosophie in ihrer bedeutsamen und alten Tradition von 500 vor Christus bis in die Gegenwart soll für die Politik, die Wirtschaft, die Naturwissenschaft, die Technik und allen anderen Bereichen aufgeschlossen, nahe gebracht und zur Verfügung gestellt werden. Un-sere Zeit schreit nach Orientierung.

»Wär nicht das Auge sonnenhaft, wie könnten wir das Licht erblicken?«
Goethe

Die „Stiftung Philosophie zur Zeit“ kann an den Erfahrungen des außeruniversitären philosophischen Instituts REFLEX anknüpfen, das auf der Basis eines gemeinnützigen Vereins seit 1994 existiert. REFLEX steht für das Gelingen einer Popularisierung von Philosophie auf akademischem Niveau.
REFLEX ist in grundlegender Weise eine Schule der Philosophie und ein außeruniversitäres philosophisches Zentrum.
Als Schule gibt REFLEX seit seinem Bestehen ein zweimonatlich erscheinendes Programm mit Bildungsveranstaltungen verschiedenen Charakters heraus: von Gesprächsrunden über wöchentlich stattfindende Kurse und Arbeitskreise bis zu Wochenendseminaren. Diese Veranstaltungen haben die folgenden allgemeinen Ziele:

  • Einführung in die Philosophie,
  • das Aufschließen von bedeutenden Texten der Philosophiegeschichte,
  • das gegenwartsbezogene Problematisieren.

Die Veranstaltungen erstrecken sich inhaltlich von antiken Texten, z.B. Platonischen Dialogen über Kants “Kritik der reinen Vernunft” bis zur Gegenwartslektüre von Hans Jonas´ “Prinzip Verantwortung”. Anstrengende Texte, aber auch populäre, wie “Sophies Welt”, werden angeboten.Darüber hinaus führt REFLEX Studienreisen zu historischen Stätten der Philosophie durch. Solche Reisen – an der Zahl über 40 – haben u.a. stattgefunden

nach Jena, wo vor 200 Jahren die Klassiker Goethe und Schiller sich trafen, die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel wirkten, Hölderlin und die romantischen Dichter Novalis, die Gebrüder Schlegel und Tieck sich trafen,
nach Sils Maria, wo sich Nietzsche oft aufhielt,
nach Rom, wo 1600 Giordano Bruno verbrannt wurde,
nach Griechenland, der Wiege der Philosophie,
nach Elea im Cilento, einer Region südlich von Neapel, wo der Vorsokratiker Parmenides vor 2500 Jahren lebte.

Als urbanes außeruniversitäres Zentrum der Philosophie hat REFLEX in den vergangenen drei Jahren im Zentrum der Stadt sehr gut besuchte, historisch orientierte Vortragsreihen mit jeweils 10 namhaften Experten zu Themen von gegenwärtiger Relevanz durchgeführt, in den vergangenen beiden Jahren in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie und dem katholischen Forschungsinstitut für Philosophie.
Im Jahre 2000: “Der Einfluß der deutschen Mystik auf die deutsche Philosophie”; auch veröffentlicht unter dem Titel: “Die Realität des Inneren”.
Im Jahre 2001: “Das philosophische Jahrtausendgespräch zwischen Religion und Naturwissenschaft.”
Im Jahre 2002: “Vernunft und Liebe. Die Geschichte der Begründung der Ethik.”
Im Jahre 2003: “Die Realität des Krieges und die Idee des Friedens.“
In den beiden vergangenen Jahren – 2006, 2007 – hat REFLEX die Initiative zur Gründung des Leibniz-Tags in Hannover am Geburtstag von Leibniz, dem 1. Juli, ergriffen.
Die Ausstrahlung als eines aktuellen philosophischen Zentrums mit Breitenwirkung zeigt sich besonders an den Vorträgen, zu denen Dr. Gerhard Stamer als Referent eingeladen wurde. Eine kurze Auswahl:
„Universalität und Individualität – oder warum alte Gedanken modern bleiben.“ (Vortrag im Rahmen der städtischen Feierlichkeiten anläßlich des 350. Geburtstags von Gottfried Wilhelm Leibniz am 23. Oktober 1996)
„Die Strukturen des Raumes – und die urbane Gemeinschaft. Philosophische Betrachtungen zum Thema Stadt und Städtebau.“ (Vortrag am 28.2.1996 auf Einladung des Bundes Deutscher Architekten)
“Arbeitslosigkeit – ein aktuelles Problem innerhalb der Beziehungen von Mensch – Natur – Technik.” (Vortrag im Auftrag des Fördervereins Expo 2000 der Unternehmerverbände Niedersachsens)
“Wie Risiken zu Chancen werden. Gedanken über die Dialektik von technischer Entwicklung und Humanität.” (Vortrag gehalten am 15.3.1999 vor geladenen Gästen der Stadtsparkasse Hannover)
“Tiere als Infektionsquelle für den Menschen? Wahrnehmung von Problemen in der Wohlstandsgesellschaft.” (Vortrag auf dem 27. Seminar Umwelthygiene der Welt-Gesundheits-Organisation in der Tierärztlichen Hochschule Hannover am 26.2. 1999
In Kooperation mit dem Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen führte REFLEX im Jahre 2001 die Tagung Menschenleben und Menschenwürde durch, auf der Dr. Stamer ein Einleitungsreferat über den Begriff der Würde hielt.
In Kooperation mit dem Forum für Politik und Kultur und der Friedrich Ebert Stiftung sprach Dr. Gerhard Stamer in einer Reihe öffentlicher Gespräche im Jahre 2002 mit Vertretern der Weltreligionen über das Thema: “Wann wird die Religion gefährlich”?
Dr. Gerhard Stamer, Initiator von REFLEX, ist 1939 geboren. Die intensivsten Studienjahre waren die bei Wolfgang Wieland in Hamburg, bei Volkmann-Schluck in Köln und bei Adorno und Habermas in Frankfurt am Main. Promoviert hat er bei Oskar Negt in Hannover.
Eine wichtige Voraussetzung für den populären Charakter seines Philosophierens waren die Tätigkeiten, die er außerhalb seiner akademischen Laufbahn, ausübte. Das betrifft den Sport: Stamer war Vizeeuropameister im Judo. Und es betrifft die langjährige Arbeit auf der Hamburger Großwerft Blohm & Voss, wo Stamer als Schiffbauer auch in den Betriebsrat gewählt wurde. Gegenwärtig ist Dr. Gerhard Stamer Vorstandsvorsitzender von REFLEX.

»Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das praktische) vereinigt sich in folgenden drei Fragen:
1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?«
Kant

Die „Stiftung Philosophie zur Zeit“ soll unter dem Dach der Bürgerstiftung Hannover als eine unselbständige Stiftung gegründet werden. Das hat mehrere Vorteile:
Erstens erhält die Stiftung in der Phase ihrer Gründung eine qualifizierte Beratung von seiten der Bürgerstiftung.
Zweitens befreit sich die „Stiftung Philosophie zur Zeit“ während der gesamten Zeit ihres Bestehens von der aufwendigen Verwaltungsarbeit . Übrigens wäre es auch möglich, die unselbständige in eine selbständige Stiftung zu überführen.
Drittens tritt die „Stiftung Philosophie zur Zeit“ durch ihre Gründung im Rahmen der Bürgerstiftung Hannover in einen bürgernahen Zusammenhang ein, den sie durch ihre Teilnahme stärken und fördern kann.

»Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.«
Kant

Für die „Stiftung Philosophie zur Zeit“ als einer kulturellen Stiftung mit einem „gemeinwohlorientierten Zweck“ sind nach den gesetzlichen Regelungen weitreichende Abzugsmöglichkeiten und steuerliche Begünstigungen vorgesehen, die sich ab September noch erheblich verbessern werden.
Zur näheren Information: Zu unterscheiden ist zwischen den Zustiftungen in das feste Kapital der Stiftung und anderen Spenden, die der laufenden Arbeit zugute kommen. Auch Sachspenden und Immobilien kommen als Spende in Frage. Das Engagement für eine Stiftung ermöglicht es, die Belastung an Einkommensteuer zu senken und auf diesem Weg aus ersparter Einkommensteuer in die Stiftung zu finanzieren. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit gezielt etwas für die Realisierung eigener humaner und gemeinnütziger Zielsetzungen zu machen.
Gegenwärtige verfügt die Stiftung über ein festes Kapital von rund € 100.000,00.

»Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«
Schiller