Gerhard Stamer
Aristoteles als Schlüssel zur Wirklichkeit
Rezension von literaturkritik.de
Aristoteles als Schlüssel zur Wirklichkeit
In „Das Sein zurückgewinnen” zeigt der Philosoph Gerhard Stamer nachvollziehbar, wie überraschend aktuell die Meta-Physik des Aristoteles für die Bewusstwerdung von Erkenntnisgewinnung ist
Von Sebastian Meißner
Ausgabe 11-2025
“Charakteristisch für Stamers Vorgehensweise ist eine bemerkenswerte methodische Sorgfalt, die sich in der konsequenten Durchdringung selbst kleinster terminologischer und argumentativer Details niederschlägt. Seine Analyse operiert nicht mit bloßen Oberflächenphänomenen des Textes, sondern sucht systematisch die begrifflichen Tiefenstrukturen des aristotelischen Denkens freizulegen. Dabei wird deutlich, dass Stamer eine außerordentliche philologische Präzision mit einer philosophisch geschärften Fragestellung verbindet: Jeder terminus technicus wird historisch kontextualisiert, semantisch differenziert und in seiner systematischen Funktion analysiert. Diese konsequente Kleinarbeit ist keineswegs Selbstzweck, sondern Ausdruck eines epistemischen Ethos, das sich jeder verkürzenden Interpretation verweigert. Vielmehr ist es gerade diese Beharrlichkeit im Umgang mit den Details, die es Stamer ermöglicht, eine kohärente und zugleich originäre Lesart der aristotelischen Meta-Physik zu entwickeln – eine Lesart, die sich durch argumentative Konsistenz ebenso auszeichnet wie durch konzeptionelle Tiefenschärfe.”
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Das Sein zurückgewinnen
Was das Studium der Meta-Physik von Aristoteles erbringt
Erscheinungsdatum: 16.10.2024, 144 Seiten
ISBN: 978-3-8260-8988-6
Hier erhältlich.
Wann ist ein antikes Werk aktuell? Wenn es die vergessenen Grundlagen in Erinnerung bringt. Dafür ist die Meta-Physik von Aristoteles das beste Beispiel. Sie klärt, dass Erkenntnis eine der Dinge an sich ist, selbst wenn der Mensch an die Erkenntisbedingungen gebunden ist, mit denen er Erkenntnis betreibt. Sie zeigt auf, dass jede Wissenschaft ein geistiges Unternehmen ist, indem sie nicht nur eine Denktätigkeit ist, sondern Strukturen in der Welt aufweist, die prinzipiell geistig sind, so dass Geist in der Natur angenommen werden muss. Aristoteles’ Meta-Physik weist nicht über die Welt hinaus. Das unbewegt Bewegende, die Chiffre für Gott, ist eine Affirmation des Seins, indem es der höchste Ausdruck der aporetischen Wirklichkeit ist, von der wir Wissen erlangen können. In ihr vereinen sich die Prinzipien der Bewegung und des Unbewegten.

KRITIK DES LEBENDIGEN VERSTANDES
Erkenntnistheoretischer Entwurf zu einer Theorie der Einheit von Geist und Leben
ISBN: 978-3-8260-7452-3
Autor: Stamer, Gerhard
Erscheinungsjahr: 2021
Ab jetzt hier erhältlich!

ICH UND WELT
Zur konstitutiven Rolle der Transzendentalen Apperzeption bei Kant, Hegel und Husserl
Gerhard Stamer
ISBN 978-3-74813-887-7 Verlag BoD (hier auch als e-Book erhältlich)

Fotografie: StudioTusch
Die digitale Technik ist nicht aufzuhalten. Auf den ersten Blick mag ihr zügelloses Voranschreiten die ärgsten Ängste bestätigen, dass der Mensch von ihr überrollt wird. Außerdem erzeugt das politische Tagesgeschehen den Eindruck, dass die mit der Digitalisierung eng verbundene Globalisierung reaktionäre Bewegungen von Populismus und Nationalismus auslöst, die eher Katastrophen erzeugt als dass sie zu einer friedlichen Weltgemeinschaft führt.

Aber Finanzen, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft treiben die Geschichte unaufhaltsam voran. Diese produktiven Kräfte werden sich durchsetzen gegen allen äußeren Anschein und nicht nur die gesellschaftlichen Makrostrukturen verändern, sondern auch in die Lebenswelt eindringen und das Bewusstsein der Menschen verändern. Die Entfesselung der künstlichen Intelligenz wird zwangsläufig auch zur Entwicklung der lebendigen Intelligenz führen. Eine »Revolution der Denkart« steht ins Haus. Die zunächst vollkommen abseits gelegene philosophische Theorie der Erkenntnis bekommt politische Bedeutung.
Sie erkennt die Zeichen der Zeit.
